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Sammlung Die Anfänge der Seidenstrasse lagen in China und in der Wüste Zentralasiens

Textilien der Seidenstrasse sind seit rund zwanzig Jahren ein Forschungs- und Sammlungsschwerpunkt der Abegg-Stiftung. Die Bodenfunde aus zentralasiatischen und nordchinesischen Wüstengebieten – sie stammen aus dem 4. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung – illustrieren, mit welchem Geschick und Sachverstand schon damals aufwendig gemusterte Stoffe hergestellt werden konnten. Der meist sehr farbenprächtige Dekor zeigt gern fantastische oder naturalistische Tierdarstellungen.

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Opfergefäss

In der chinesischen Frühzeit kam dem Ahnenkult herausragende Bedeutung zu. Herrscher- und Adelsfamilien betrieben die Verehrung ihrer Vorfahren mit enormem Aufwand. Das kostbare Bronzegefäss diente zur Aufnahme von Speisen, die den Ahnen als Opfergaben dargebracht wurden. Es war vor allem für gekochten Reis, Hirse und Getreide aller Art bestimmt. Seine beiden Henkel sind als Drachenwesen gestaltet. Der Gefässbauch zeigt stilisierte Tierreliefs vor dicht graviertem Grund. | China, 11.–10. Jahrhundert v. Chr., Bronze, gegossen, H. 14 cm, Inv. Nr. 8.397.01

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Seidendecke

Bereits lange vor unserer Zeitrechnung blühte die Seidenweberei in China. Die komplex gemusterten Stoffe zeigen kleinteilige, vielfach variierte Muster mit stilisierten Drachen, Vierfüsslern und Vögeln. Farbige Streifen verleihen dem Muster zusätzliche Dynamik, wobei die orangeroten Fäden mit Zinnoberpigment eingefärbt wurden. Mehrere aneinandergenähte Stoffbahnen bildeten eine grosse Decke, die ursprünglich wattiert und gefüttert war. | China, Zeit der Streitenden Reiche, 4.–3. Jahrhundert v. Chr., Seidengewebe (Kettkompositbindung), Höhe Musterrapport 4 cm, Inv. Nr. 5302/5304

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Gewandfragment

Das nur teilweise erhaltene Gewand lässt sich nicht mehr in seiner dreidimensionalen Form rekonstruieren. Das Seidengewebe wird bevölkert von Vierfüsslern und Vögeln in einer stilisierten Bergketten- oder Wolkenband-Landschaft, die an das Paradies gemahnt. Dazwischengestreut sind chinesische Schriftzeichen. Sie drücken Hoffnungen und gute Wünsche aus und verstärken die visuelle Botschaft der Darstellungen in formelhafter Weise. | China, Östliche Han-Dynastie, 1.–2. Jahrhundert, Seidengewebe (Kettkompositbindung), Höhe Musterrapport 8,5 cm, Inv. Nr. 5301/5303/5336

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Fragment eines Rockes

In leuchtendbunter Farbigkeit schreiten ornamental stilisierte Hirsche in Prozession hintereinander her. Jeder zweite trägt einen Vogel auf dem Rücken, der, ambivalent, auch als Flügel verstanden werden kann, der in einem Vogelkopf ausläuft. Vergleichbare Wirkereistreifen und vollständig erhaltene Röcke wurden im Gräberfeld von Shanpula am Südrand der Taklamakan-Wüste gefunden. | Östliches Zentralasien (Xinjiang), 3.–1. Jahrhundert v. Chr., Wolle (Schlitzwirkerei, Diagonalgeflecht), H. 51 cm, B. 102,5 cm, Inv. Nr. 5157

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Wirkereistreifen mit Reitern

Höchst ungewöhnlich ist der Bogenschütze zu Pferd, der ein geflügeltes Fabelwesen mit Tierkörper und bärtigem Menschenkopf verfolgt und dabei von einem Raubvogel begleitet wird. Die Darstellung beruht auf mythologischen Traditionen Westasiens, hat hier aber eine der Steppenkultur angepasste Form gefunden, ausdrucksvoll stilisiert und gleichzeitig, zum Beispiel in der Kleidung des Reiters, erstaunlich realitätsnah. | Östliches Zentralasien (Xinjiang), 1.–3. Jahrhundert, Wolle (Schlitzwirkerei, Diagonalgeflecht), H. 47 cm, B. 92 cm, Inv. Nr. 5138

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Stickerei mit Enten

Reihen von Enten sind auf einen Ton in Ton gehaltenen, damastartigen Grundstoff gestickt. Warum sie auf Teilen des Tuches um 90 Grad gedreht wurden, ist unbekannt. Denkbar wäre allenfalls, dass die Streifen zum Auseinanderschneiden und zur liegenden bzw. stehenden Verwendung gedacht waren. Am rechten Rand, der originalen Stickereikante, befindet sich der einzige andere Vogel, vielleicht ein Pfau. | Östliches Zentralasien, 7.–8. Jahrhundert, Seidenstickerei auf Leinwand-Köper-Damast, H. 52,5 cm, B. 131,5 cm, Inv. Nr. 4902

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Kamelführerstoff

Neben ruhenden Löwen und Elefanten zeigt das Muster dieses Stoffes auch Kamelführer. Sie sind mit dem chinesischen Schriftzeichen 胡
«hu» bezeichnet, das in der Regel mit «Barbar» übersetzt wird, aber in einem weiteren Sinne für die Nachbarvölker im Westen generell stehen konnte. Vielleicht stellt das Bild einen der Händler auf der Seidenstrasse dar. Schwer beladene Kamele wurden in der Tang-Zeit zum Symbol für Luxusgüter, die aus dem Westen kamen, so dass eine solche Darstellung auf einem Seidengewebe dessen Kostbarkeit geradezu potenziert. | China, Nördliche Dynastien oder Sui-Dynastie, 5.–7. Jahrhundert, Seidengewebe (Kettkompositbindung), H. 19,5 cm, B. 39 cm, Inv. Nr. 5269 a–c