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Zusätzliche Präsentation vom 1. September bis 8. November 2020 Blickpunkt Samte

Samte des 15. und 16. Jahrhunderts gehörten zu Werner Abeggs ersten und wichtigsten Erwerbungen, als er um 1930 mit dem Aufbau einer Textilsammlung begann. Von allen Gattungen der Seidenweberei ging von ihnen wohl die stärkste Faszination für den jungen Sammler aus. In den letzten Jahren konnte die Abegg-Stiftung eine Reihe wichtiger italienischer und osmanischer Samte erwerben. Sie zeigen den vielfältigen künstlerischen Austausch zwischen West und Ost. Die Neuankäufe erweitern und vertiefen die bestehenden Schwerpunkte der Sammlung. Sie werden nun für kurze Zeit in einer kleinen Auswahl vorgestellt.

Samtgewebe mit Pinienzapfen

Als Werner Abegg das prächtige Seidengewebe 1931 erwarb, galt es als osmanisch. Das Muster mit den grossen Pinienzapfen, den kleinen Halbmonden und «Drei-Kugel-Motiven» erinnert denn auch an den osmanischen Dekorstil. Inzwischen weiss man aber, dass die in Schlaufen eingetragenen Goldfäden eine Spezialität italienischer Manufakturen waren. Es handelt sich also um einen italienischen Samt, der vermutlich für den osmanischen Markt gewebt wurde. | Italien, 16. Jahrhundert, Seide, Metallfäden, Inv. Nr. 167

Samtgewebe mit Spitzovalmuster

Das Muster zeigt gegenläufige Wellenranken, die spitzovale Felder bilden. Das Innere der Spitzovale nehmen grosse Blattpalmetten ein, die mit Distel- und Artischockenblüten gefüllt sind – alles Motive, die für italienische Seiden des 15. Jahrhunderts charakteristisch sind. Besonderheiten der Gewebebindung und die Beschaffenheit der Metallfäden lassen an der osmanischen Herkunft jedoch keinen Zweifel. Der Samt war vermutlich als Exportware für den Westen bestimmt. Der Dekor war dementsprechend auf den Geschmack westlicher Abnehmer ausgerichtet. | Osmanisches Reich, Ende 15. Jahrhundert, Seide, Metallfäden, Inv. Nr. 5873