Sonderpräsentation Ein Kindergewand aus dem Libanon Ausstellung beendet

Seit einigen Jahren untersucht und restauriert die Abegg-Stiftung eine Gruppe von archäologischen Textilien aus dem Libanon. Es handelt sich um Gewänder und textile Accessoires aus dem 13. Jahrhundert, die bei Ausgrabungen zwischen 1988 und 1993 in der Höhle Assi el-Hadath im Qadisha-Tal gefunden worden waren. Dank des trockenen Klimas haben sie sich gut erhalten und gelten heute als einzigartige Zeugnisse mittelalterlicher Kleidung einer ländlichen Bevölkerung. An ihnen lässt sich ablesen, wie sorgsam diese Menschen mit Stoffen umgingen, wie sie auch kleinere Gewebestücke zu Gewändern verarbeiteten, diese dekorierten und bei Bedarf reparierten.
Das ausgestellte Kinderkleid gehört dem Nationalmuseum in Beirut und wurde im Rahmen einer Masterarbeit in Textilkonservierung/-restaurierung an der Abegg-Stiftung/Berner Fachhochschule untersucht, dokumentiert und restauriert. Pressetext | Poster MA-Thesis

Sonder21

Sonder21Gross

Kinderkleid

Das ärmellose Gewand besteht aus einem ungefärbten Futter und Resten eines grünen seidenen Oberstoffs. Ein geflochtenes rotes Band schmückt den Halsausschnitt und die Armöffnungen. Die im Hintergrund ausgestellte Rekonstruktion gibt einen Eindruck vom ursprünglichen Aussehen des Kleidungsstücks. Sie wurde angefertigt, um den genauen Schnitt und den komplizierten Verarbeitungsprozess zu verstehen. Mehrere Reparaturen bezeugen einen langjährigen Gebrauch. Die ursprüngliche Länge des Kinderkleids ist nicht bekannt.
Nach der Zustandserfassung erfolgte eine Reinigung durch Absaugen. Starke Falten wurden durch Befeuchten geglättet. Um das Gewand zu sichern, wurden die fragilen Bereiche zwischen zwei Lagen Nylon-Tüll eingenäht. Den optisch sehr zurückhaltenden Tüll hatte man zuvor in einem aufwendigen Verfahren beige gefärbt und zudem partiell grün bzw. rot überfärbt. | Libanon, 13. Jahrhundert; Halbleinen- und Seidengewebe, seidenes Flechtband; Beirut, Direction Générale des Antiquités du Liban, Inv. Nr. 116331