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Sonderausstellung Tafelfreuden – Historische Leinendamaste Ausstellung beendet

Gemusterte Tischwäsche aus Leinen gehört seit dem ausgehenden Mittelalter zur Ausstattung der festlichen Tafel. Die rein weissen Tischtücher, Servietten und Handtücher zeigen dezente, aber kunstvolle Bildkompositionen und Familienwappen. Zusammen mit Prunkgefässen aus Edelmetall dienten Leinendamaste in fürstlichen und bürgerlichen Haushalten zur Repräsentation. Die erhaltenen Textilien sind kostbare Zeugnisse der historischen Tafelkultur.  Pressetext | Close up

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Vom Leinen zum Damast

Leinen gewinnt man aus den Stengeln der Flachspflanze. Ihre Fasern werden in mehreren Arbeitsschritten zu feinen Fäden verarbeitet. Auf dem Zugwebstuhl fertigt man daraus Damastgewebe. Das Muster im weissen Stoff entsteht nur durch den Wechsel von kett- und schussbestimmten Partien derselben Bindung und ist vor allem im Streiflicht sichtbar. | Flachsbündel in verschiedenen Stadien.

Herstellungsorte

Im 16. und 17. Jahrhundert wurden Leinendamaste fast ausschliesslich in den südlichen und nördlichen Niederlanden hergestellt und von dort nach ganz Europa exportiert. Frühe Zentren der Leinenweberei waren die flämischen Städte Mechelen und Kortrijk. Im 17. Jahrhundert profilierte sich auch Haarlem als bedeutender Produktionsort. | Serviette mit Jagdszene vor Granatapfelmuster, Spanische Niederlande, Kortrijk (?), 1520–1530, Leinendamast, Inv. Nr. 4572

Bilder mit Bordüren

Tischtücher, Servietten und Handtücher wurden als Meterware mit wiederkehrendem Musterrapport gewebt. Sie waren deutlich grösser als heutige Tischwäsche und boten im Mittelfeld eine rechteckige Bildfläche. In den Bordüren erscheinen thematisch dazu passende Motive. | Serviette mit Schiffen, nördliche Niederlande, 1640–1650, Leinendamast, Inv. Nr. 3193

Alles, was gefällt

Die Bildfelder zeigen eine Fülle unterschiedlicher Darstellungen: historische Ereignisse und Personen, Szenen aus der Bibel oder der antiken Mythologie, Motive des täglichen Lebens und Blumen. Durch das Einfügen von Familienwappen konnten die Muster für einen Auftraggeber personalisiert werden. | Serviette mit winterlichen Vergnügungen, nördliche Niederlande, 1662, Leinendamast, Inv. Nr. 3846

Tafelkultur

Die Teilnehmer eines Festmahls sahen die Darstellungen im Tischtuch vor sich auf der Tafelfläche. Eine Serviette mit den gleichen Motiven diente ihnen zum Säubern der Hände. Als Besteck verwendete man im 17. Jahrhundert nördlich der Alpen meistens nur ein Messer. | Detail des Gemäldes «Bankett der St.-Georg-Schützengilde» von Frans Hals, 1616. Haarlem, Frans Hals Museum, Inv. Nr. os I-109. Foto: Frans Hals Museum (Margareta Svensson)