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Sonderausstellung Menschen, Tiere, Götterwesen. Textile Schätze aus dem Alten Peru Ausstellung beendet

Die Abegg-Stiftung besitzt eine kleine, aber aussagekräftige Sammlung von Textilien aus dem Alten Peru. Die Stoffe sind in der Zeit zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 16. Jahrhundert entstanden. Ihre Darstellungen spiegeln die Welt der frühen Hochkulturen Perus vor der Eroberung durch die Europäer wider. Sie belegen die herausragende Stellung, die den Textilien im Leben wie im Totenkult der Menschen zukam. Pressetext

Kleider für die Ewigkeit

Gefunden wurden die kostbaren Stoffe zumeist in den Wüstengebieten der peruanischen Küste. Sie wurden als Weihegaben für die Götter niedergelegt oder den Toten ins Grab mitgegeben. Oft handelt es sich um verzierte Kleidungsstücke. Die Trockenheit der Küstenregion liess sie Jahrhunderte unter der Erde überdauern. | Tunika, Peru, Zentralküste, Chancay-Kultur, 11.–15. Jh., Wirkerei und Stickerei in Baumwolle und Kamelidenwolle, Inv. Nr. 5733

Kostbares Material

Für die Herstellung der Textilien wurden vor allem Wolle und Baumwolle verwendet. Wolle lieferten Lamas und Alpakas, die auf den Hochebenen der Anden lebten. Baumwolle wurde in den Flusstälern der Küste angebaut. Dort lagen fruchtbare Oasen, die Landwirtschaft inmitten der Wüste erlaubten. | Zierborte, Peru, Südküste, frühe Nasca-Kultur, 1.–3. Jh. n. Chr., Stickerei in Baumwolle und Kamelidenwolle, Inv. Nr. 42

Leuchtende Farben

Zum Färben wurden verschiedenste Naturfarbstoffe benutzt. Besonders aufwendig war die Rotfärbung mit Cochenille. Der Farbstoff wurde aus getrockneten, zu Pulver gemahlenen Schildläusen erzeugt. Auch Blau war schwierig herzustellen. Es wurde in einem komplizierten Verfahren aus den Blättern des Indigostrauches gewonnen. | Wirkereifragment, Peru, Zentralküste, Chancay-Kultur, 11.–15. Jh., Wirkerei in Baumwolle und Kamelidenwolle, Inv. Nr. 5740

Einfaches Webgerät

Gewebt wurde meist mit einem Rückenband-Webgerät. Dabei wurde ein Ende der Kette mit einem Gürtel um die Hüfte fixiert, das andere an einem Pfahl aufgehängt. Darüber hinaus waren liegende, im Boden verankerte Webrahmen sowie breite vertikale Webstühle in Gebrauch, die von mehreren Personen bedient wurden. | Wirkereifragment, Peru, Nordküste, Chimú-Kultur, 11.–15. Jh., Wirkerei in Baumwolle und Kamelidenwolle, Inv. Nrn. 5741

Komplizierte Techniken

Aus Peru sind technisch sehr variantenreiche Textilien erhalten geblieben. Bei den sog. Partialgeweben werden nicht nur die Schuss-, sondern auch die Kettfäden umkehrend geführt. Ganz anders hergestellt wurden schlauchförmige Stickereien, die vollplastische Figuren erzeugen. | Zierborte, Peru, Südküste, frühe Nasca-Kultur, 1.–3. Jh. n. Chr., dreidimensionale Stickerei in Baumwolle und Kamelidenwolle, Inv. Nr. 600

Phantastische Motive

In den Darstellungen spiegeln sich die Vorstellungen ihrer Besitzer. Sie sind von Mischwesen aus Mensch und Tier beherrscht, denen offenbar besondere Kräfte zugesprochen wurden. Hinzu kommen zahlreiche Tiere: Katzen, Affen, Vögel, Fische, Frösche und Schlangen. Sie geben ein Bild der fruchtbaren, mächtigen Natur. | Zierborte einer Tunika, Peru, Südküste, späte Paracas-/frühe Nasca-Kultur, 2. Jh. v. Chr. –1. Jh. n. Chr., Stickerei in Baumwolle und Kamelidenwolle, Inv. Nr. 460