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Sammlung Von der Renaissance bis zum Barock entstanden Meisterwerke des höfischen Lebensstils

In diesen beiden Epochen entwickelte sich in den Fürstenhäusern Europas eine rege Sammeltätigkeit. Neben allen Wundern der Natur und Wissenschaft richtete sich der Blick auf zeitgenössische, oft das höfische Leben spiegelnde Kunstwerke. Die Abegg-Stiftung bietet einen kleinen, aber feinen Überblick über das adlige Kunstinteresse jener Zeit. Erstklassig und umfangreich ist zudem der Bestand an Seidenstoffen aus Italien und Frankreich, die für Gewänder oder die Innenausstattung von fürstlichen Interieurs verwendet wurden. Aber auch osmanische und persische Gewebe des 16. und 17. Jahrhunderts finden sich in der Sammlung.

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Betnüsse

Aufgeklappt zeigt die Kugel unten den Tanz der Maria Magdalena mit einem Edelmann nach einem Stich des Lucas van Leyden von 1519. Oben erscheint Christus zu Besuch im Hause Marthas. Während diese den Gast mit Eifer bewirtet, lauscht ihre Schwester Magdalena nur andächtig seinen Worten. Magdalena repräsentiert die fromme Andacht, zu deren Anregung auch dieser Anhänger an einem Rosenkranz diente. Ebenso faszinierte diese virtuose Miniaturschnitzerei fürstliche Sammler, die zu dieser Zeit begannen, ihre Kunstkammern zusammenzutragen. | Südliche Niederlande, nach 1519, Buchsbaumholz, Dm. 6,5 cm, Inv. Nr. 7.15.67

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Wachsbildnisse

Antonio Abondio, um 1575
Die Portraits zeigen Erzherzog Karl II. von Innerösterreich und seine Gemahlin Maria, die in Graz residierten. Abondio setzte als erster Künstler nördlich der Alpen die Wachsmodellierung nicht ausschliesslich zur Fertigung von Modellen für Medaillen ein, sondern erhob Wachsbildnisse zu einer eigenständigen künstlerischen Gattung. In vergoldete Kupferkapseln montiert, wurden die Kleinportraits gerne als Geschenke an Familienmitglieder gereicht. | Pigmentiertes Wachs, H. 14 cm, Inv. Nr. 9.7.63

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Traubenpokal

Silbervergoldete Prunkgefässe wurden anlässlich bedeutender Ereignisse gefertigt und als Erinnerungsstücke aufbewahrt. An fürstlichen Höfen und in bürgerlichen Häusern präsentierte man sie auf einer Tafel oder einem mehrstufigen Büffet. Anhand der aufgebrachten Meistermarken lassen sich Herkunft und Künstler bestimmen. Der getriebene Buckeldekor des Pokals zählt zu den anspruchsvollsten Techniken der Goldschmiedekunst. Freiplastische Figurengruppen, den Sündenfall und den heiligen Christophorus darstellend, schmücken Fuss und Deckel. | Nürnberg, Georg Rühl d. Ä., um 1603, Silber, getrieben, vergoldet, H. 48,5 cm, Inv. Nr. 8.75.63

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Christus in der Vorhölle

Jan Brueghel der Ältere, 1593
Die Szene mit dem Eintritt Christi in die Vorhölle erscheint weit links am Bildrand. Gleichwohl gelingt dem Maler durch die kontrastreiche Lichtführung und die Bewegungsrichtung der Figuren eine Konzentration der Komposition auf das inhaltlich Wesentliche. Die Tafel entstand während eines Aufenthaltes des Malers in Rom und zählt zu seinen frühesten signierten Werken. Mit ihren fabeltierartigen Bewohnern erinnert die Höllenlandschaft an Gemälde von Hieronymus Bosch. | Ölhaltige Farbe auf Kupfer, H. 25,6 cm, Inv. Nr. 14.119.72

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Samtgewebe mit Pinienzapfen

In der Webtechnik sind osmanische Seidensamte europäischen Samten sehr ähnlich. Ihre Muster unterscheiden sich jedoch von Granatapfelsamten italienischer Tradition. Der Seidensamt mit in Reihen angeordneten Pinienzapfen beeindruckt durch die schlichte Eleganz und ruhige Ausstrahlung seines Dekors. Mit ihren gleichförmigen Konturen scheinen die Pinienzapfen vor dem roten Samt zu schweben. Gelbe Stege und rote Punkte ahmen die natürliche Oberfläche von Pinienzapfen nach. | Osmanisches Reich, 16. Jahrhundert, Seide, Metallfäden, H. 113 cm, Inv. Nr. 5430

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Gewebe mit Blumen und Vögeln

Das feine Gewebe, dessen Grund ganz mit Goldfäden bedeckt ist, entstand vermutlich in Persien unter der Herrschaft der Safawiden (1501–1722). Die naturgetreue Darstellung der Rose und des Vogels deutet jedoch bereits auf den gegen Ende dieser Epoche einsetzenden Einfluss europäischer Bildvorlagen und botanischer Illustrationen auf die persische Kunst. Orientalische Luxusgewebe waren in Europa bereits seit dem frühen 17. Jahrhundert begehrte Sammlerstücke. | Persien, spätes 17. Jahrhundert, Seide, Metallfäden, H. 72 cm, Inv. Nr. 5411

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Gewebe mit bizarrem Muster

Die phantasievollen, häufig schwer zu beschreibenden Muster der sogenannten bizarren Seiden spiegeln den Einfluss fernöstlicher Vorbilder, die seit dem 17. Jahrhundert durch ostindische Handelskompanien nach Europa gelangten. Die asymmetrische Komposition mit diagonal angeordneten Motiven ist durch asiatische Gestaltungsprinzipien geprägt. Der schimmernde grüne Damastgrund des Gewebes erscheint als eine Folie, vor der sich die an exotische Meerestiere und Seetang erinnernden Motive bewegen. | Frankreich oder Italien, um 1700, Seide, Metallfäden, H. 95,5 cm, Inv. Nr. 260

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Gewebe mit Fasan und Schwan

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts treten eigens für die Innendekoration konzipierte Seidengewebe mit grossen bildhaften Motiven auf, die sich über die gesamte Webbreite ausdehnen. Dazu gehört diese Bahn einer Wandbespannung nach dem Entwurf von Philippe de Lasalle, der in Lyon als Entwurfskünstler, Ingenieur und Fabrikant wirkte. Kaiserin Katharina die Grosse von Russland liess einen Salon ihrer Sommerresidenz in Zarskoje Selo nahe St. Peterburg mit Seiden dieses Musters ausstatten. | Frankreich (Lyon), um 1770–1775, Seide, H. 192 cm, Inv. Nr. 5064